Bahn - Deutsch, Deutsch - Bahn

Dominik am 5. November 2010 um 14:17

Die Wintersaison ist eröffnet: Heute durfte ich zum ersten Mal nach langer Pause wieder wegen “witterungsbedingten Störungen” warten. Aus diesem schönen Anlass präsentiert Steele-S eine Interpretationshilfe der schönsten Bahnbegründungen:

Witterungsbedingte Gründe - Hey, es ist unter zehn oder über 20 Grad oder Windstärke drei oder mehr oder Windstille - wie sollen denn bei so einem Wetter noch Züge fahren?

Verzögerungen im Betriebsablauf - Die Zugführer haben beim Schichwechsel zu lange gequatscht.

Verspätete Bereitstellung - Was, schon so spät? Ach komm, ein Kaffee geht noch.

Notarzteinsatz am Gleis - Schreib das mal hin, das klingt dramatisch und nachprüfen kann’s eh keiner…

Streikauswirkungen - Schuld sind immer die anderen.

Hohe Streckenauslastung - Huch, wo kommen denn heute die ganzen Züge her? Das konnte ja keiner ahnen…

Ergänzung Tobi, 9.11.:
Triebwagenschaden - Die Mitleidstour. Triebwagen, das klingt schon altmodisch. Motto: “Wir armen Bahner müssen uns mit so altem (Zug-) Material rumschlagen.” Rechtfertigt außerdem Verspätungen von Folgezügen.

Geschäftsreisendenverhalten…

Tobi am 26. Oktober 2010 um 14:39

…ist, sich morgens hinter dem Lenkrad während des Autofahrens zu rasieren. Vor ein paar Tagen gesehen an meiner Straßenbahn-Haltestelle.

Zumindest hat der Mann sich elektrisch und nicht auch noch nass rasiert. Trotzdem: einfach herrlich, wenn auch nicht ungefährlich!

Grundschülerverhalten…

Tobi am 21. Oktober 2010 um 17:38

…ist, am Bahnsteig in Minuten langer Folge besonders laut kleine Kaugummi-Blasen zum Platzen zu bringen.

Zu süß…

Tobi am 19. Oktober 2010 um 23:06

…war heute ein Gespräch zwischen einem kleinenm Enkel und seiner Oma in der Einhundertneun. Die Straßenbahnfahrerin war aus der hinteren Fahrerkabine herausgekommen, durch die Bahn gelaufen und in die Fahrerkabine auf der vorderen Seite gegangen (Anmerkung: Das Gleis macht in Steele “Kopf”, daher der Kabinenwechsel).

Enkel: Warum kann die Frau auf beiden Seiten fahren?

Oma: Wir müssen hier ja auch wegkommen.

Enkel: Wo fährt die denn hin? Und wo ist denn dann der Kofferraum?

Oma: Es gibt keinen Kofferraum.

Enkel: Und was ist, wenn die mal in den Urlaub fahren will?

Drei Wörter sind genug

Dominik am 14. Oktober 2010 um 21:42

Als Neu-Essener war ich ja bisher noch nicht vollkommen zurück im Revier. Ist ja hier doch ein etwas anderes Lebensgefühl als in der Stadt mit der großen Kirche am großen Fluss etwas weiter im NRW-Süden. Heute aber ist das 10-Cent-Stück gefallen - dank nur drei Wörtern am Hauptbahnhof auf dem Weg zur S 1.
Protagonisten des kleinen Willkommensdialogs: Eine Großmutter und ihre Enkelin.

Kind: Ommmma!
Großmutter: Watt dänn?

Ommmma - sehr kurzes O, langes und scharfes mmmm, extrem offenes, forderndes a;
Watt - mehr gezischt als gesprochen;
dänn - ein Wort wie ein Giftpfeil und mit der freundlichstmöglichen Unfreundlichkeit.
Willkommen im Ruhrgebiet!

S eins fahren und Wörter “snacken”

Tobi am 14. Oktober 2010 um 18:57

Neudeutschlernen in der Bahn: Habe vor ein paar Tagen mal wieder ein neues Wort in der S eins kennengelernt ;-):

“Ich hab so nen Hunger. Ich muss dringend was snacken!”

Hoch leben die Anglizismen!

225 Jahre Lebenserfahrung

Dominik am 11. Oktober 2010 um 17:49

Zwischen die S 1 und die heimische Couch haben der liebe Gott und die EVAG eine Buslinie gestellt. Genauer: die 166 Richtung Burgaltendorf. Und was sich da abspielt, kann den S-Bahn-Erlebnissen regelmäßig Paroli bieten.

Vor ein paar Tagen zum Beispiel wurde die 166 zur großen Bühne für drei alte Frauen Seniorinnen Damen im allerbesten Alter - also für insgesamt 225 Jahre Lebenserfahrung. Zwei Damen haben es sich schon länger im zentralen Vierer bequem gemacht, die dritte steigt zu. Man kennt sich, man hat sich lange nicht getroffen, man hat eine große Themenzahl in noch größerer Lautstärke abzuarbeiten. Also los: Über Winterjacken (”Ich wollte mir eine neue kaufen - aber die haben ja nur noch diesen gesteppten Mist…”) und den Altweibersommer (”Wir waren ja heute in der Gruga… herrlich, sowas von herrlich…”) nähert sich das philosophische Terzett dem eigentlich Thema: dem “Polizeikonzert”, also dem Weihnachtskonzert des Essener Polizeichores. Nachdem der halbe Bus zunächst erfahren darf, dass die Damen

a) das Konzert seit mehr als 30 Jahren besuchen
b) es von Jahr zu Jahr schöner finden und
c) unterschiedliche Terminvorlieben haben (”Wir gehen ja nur in die Abendvorstellung, die ist ja viel stimmungsvoller!”)

kommen sie auf das eigentliche Übel: den Kartenvorverkauf. “Ich probiere schon seit Wochen, an gute Plätze zu kommen, aber die bieten mir nur Mist an”, heißt der Titel des angestimmten Klageliedes. Und die niederschmtetternde Erwiderung klingt dann so: “Das müssen Sie gar nicht versuchen. Die guten Karten werden da doch unter der Hand verkauft.”

Etwa hier muss ich die 166 verlassen und nehme eine bestürzende Erkenntnis mit aufs heimische Kanapee: Wenn schon beim Konzert der Polizei mit solchen Methoden gearbeitet wird, geht hier bald endgültig das Licht aus. Und den Preis für die beste Nebenrolle geht an die drei Damen aus dem Bus - als Essener Variante der apokalyptischen Reiter.

steele-s.de - Die Rückkehr

Tobi am 5. Oktober 2010 um 19:40

Ab jetzt ist hier wieder Leben inne Bude - beziehungsweise im Blog.

Die Züge hin und weg von Steele S nehmen wieder Fahrt auf. Leider, denn für mich bricht das neue Semester in Dortmund an. Aber wenigstens kann ich so die Geschichten und Geschichtchen aus der S eins und der Einhundertneun, die Sprüche auf den Bahnsteigkanten und all das Gelabere auf Rolltreppen und Gehwegen hier verarbeiten.

Zur “Rückkehr” hat steele-s.de einen neuen Mitstreiter gefunden. Ab sofort wird Dominik das Blog mit seinen Erlebnissen, beziehungsweise mit den Erlebnissen seiner Mitfahrer auf der Strecke Dortmund - Essen, bereichern.

Viel Vergnügen dabei!

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Ein großes Lob hat mich vor einem Jahr erreicht.  Diese Email ist eins zu eins so an steele-s.de gegangen.

Leider konnte ich nicht weiterhelfen…:

“Hallöchen!

Nun bitte, bitte nicht erschrecken, aber ich habe eine ganz, ganz komische Frage und es ist eine ganz, ganz komische Geschichte! Ich bräuchte da ein wenig Ihre Hilfe, auch wenn ich nicht wirklich glaube, dass Sie mir helfen können, aber einen Versuch ist es ja Wert =)

Aaaalsoo… ich weiß nicht mehr wie genau, jedenfalls gelangte ich auf Ihre Seite, die vom Steele S-Bahnhof handelt. Seit einiger Zeit suche ich wie eine Wahnsinnige einen Mann aus der Straßenbahn (Linie 109). Klingt komisch- ist aber so! Aber ich finde ihn einfach nicht.

Nun, ich stieß also auf Ihre Seite und dachte mir, dass sie bestimmt so oft mit dieser Tramlinie fahren, dass sie, wie warum weshalb auch immer, diese Person eventuell kennen. Oder sie gesehen haben. Irgendetwas über diesen Mann wissen. Ich muss diesen Mann unbedingt kennenlernen!

Er ist ca. 185cm (oder größer) groß, hat eine schlanke, “lange” Figur, schwarze, kurze Haare, braune Augen, schwarzer Bart, zwischen 23-30 Jahre, trägt im Winter einen dunkel-blauen oder schwarzen Mantel, trägt manchmal eine Art Aktentasche unter’m Arm und steigt überwiegend am Parkfriedhof ein oder läuft an dieser Haltestelle vorbei und fährt Richtung Stadtmitte.

Ich weiß, dass sie keine Partnervermittlung sind =) Ist auch alles ziemlich verrückt, aber ich weiß sonst nicht, wie ich eine fremde Person finden kann, wenn ich ihn nur “auf gut Glück” in der Straßenbahn sehe. Dachte mir halt, wenn Sie alles so gut beobachten können, haben Sie diesen Mann ja vielleicht gesehen.

Liebe Grüße -……”

Aufgeschlitzt!

Tobi am 3. Dezember 2008 um 18:07

Foto: Philipp R.

Dieses Foto erreichte uns von “Steele-S”-Leser Philipp R. Vielen Dank dafür.

Wollen Sie sich nicht setzen?

Irrer ohne Worte

Tobi am 7. Oktober 2008 um 17:40

Zeitung durch, müde Augen - allen Grund also, die selbigen mal für ein paar Minuten bis zur Zielhaltestelle zu schliessen. Denkste…wenn sich nicht immer so ulkige, aber dadurch schon wieder interessante Fahrgäste in die Einhundertneun bemühen würden.

Heute ist dies (mal wieder) ein Mann mit Glatze. Den Schädel also annähernd kahl rasiert, setzt er sich (die Hin und weg von Steele S-Stamm-Leser werden es schon ahnen) auf den Platz genau mir gegenüber. Sonst ist ja auch nichts frei (naja, heute ist wirklich mal kaum was frei).

Auf dem Vierer-Sitzer nebenan sitzen zwei junge türkische Mädels. Und diese beiden scheint mein Gegenüber anscheinend besonders interessant zu finden. Durch die daumendicke Gläser seiner Brille macht er ganz große Augen. Guckt und guckt. Glotzt dabei zwar nicht, schaut aber nur ab und an weg. Und lächelt dabei vor sich hin, als habe er sich gerade im Steele S-Kiosk einen Lottogewinn auszahlen lassen.

Und die Mädels lächeln zurück. Sie lächeln ihn aber aus (Frage des Autors: Geht das? Kann man jemanden auslächeln ;) ?). Trotzdem bleibt der Endvierziger im roten Polo-Shirt und schlecht sitzenden dunkelblauen Jackett ruhig. Er streicht sich ab und an über den kahlen Schädel, putzt sich einmal die Brille ab: Aber er bleibt ruhig.

Ein Irrer ohne Worte. Auf eine Verlautlichung seiner Blicke warte ich vergebens. Öfter mal was neues.