Irrer ohne Worte

Zeitung durch, müde Augen - allen Grund also, die selbigen mal für ein paar Minuten bis zur Zielhaltestelle zu schliessen. Denkste…wenn sich nicht immer so ulkige, aber dadurch schon wieder interessante Fahrgäste in die Einhundertneun bemühen würden.

Heute ist dies (mal wieder) ein Mann mit Glatze. Den Schädel also annähernd kahl rasiert, setzt er sich (die Hin und weg von Steele S-Stamm-Leser werden es schon ahnen) auf den Platz genau mir gegenüber. Sonst ist ja auch nichts frei (naja, heute ist wirklich mal kaum was frei).

Auf dem Vierer-Sitzer nebenan sitzen zwei junge türkische Mädels. Und diese beiden scheint mein Gegenüber anscheinend besonders interessant zu finden. Durch die daumendicke Gläser seiner Brille macht er ganz große Augen. Guckt und guckt. Glotzt dabei zwar nicht, schaut aber nur ab und an weg. Und lächelt dabei vor sich hin, als habe er sich gerade im Steele S-Kiosk einen Lottogewinn auszahlen lassen.

Und die Mädels lächeln zurück. Sie lächeln ihn aber aus (Frage des Autors: Geht das? Kann man jemanden auslächeln ;) ?). Trotzdem bleibt der Endvierziger im roten Polo-Shirt und schlecht sitzenden dunkelblauen Jackett ruhig. Er streicht sich ab und an über den kahlen Schädel, putzt sich einmal die Brille ab: Aber er bleibt ruhig.

Ein Irrer ohne Worte. Auf eine Verlautlichung seiner Blicke warte ich vergebens. Öfter mal was neues.

3 Kommentare zu “Irrer ohne Worte”

  1. Philipp

    Hast du eigentlich mit den Mädels gesprochen oder woher weißt du das die ihn ausgelächelt haben, Fragen über Fragen werfen sich da in mir auf. Vielleicht war dem Mann es ja auch einfach nur peinlich die ganze Zeit von dir angestarrt zu werden und mußte daher immer in eine andere Richtung gucken, mal lieber an die eigene Nase fassen, Tobi.
    Und für das nächste mal gönne ich dir lieber einen Irren der dich die ganze Zeit anquatscht und antatscht. Fühlst du dich dann besser?

    Gruß

    Philipp

  2. Alan Bourdillion

    Da gebe ich dem Philipp aber Recht, bei dem was du so beobachtest, mußt du die Leute ja auch ziemlich oft anstarren und vielleicht hast du den Irren mit der Glatze ja auch bloß erregt, deshalb hat er sich so oft durch das nicht mehr vorhandene Haar gestreichelt. Das ist ein deutliches Zeichen von Nervosität.

    Gut das ich Autofahrer bin und mir so was nicht geben muss.

    Alan

  3. Tobi

    Oh ja, ihr kennt mich doch, ich starre immer dauernd Leute an. Wahrscheinlich schreiben Leute in anderen Blogs auch schon über mich ;-) !
    Ne, jetzt mal im Ernst. Philipp wünscht mir einen Irren, der mich anquatscht etc. und fragt, ob ich mich dann besser fühle.
    Nur ums “mich fühlen” geht es doch hier gar nicht. Viel mehr ums “beobachten” und “persönlich erleben”, um das ganze dann - natürlich subjektiv geprägt - aufzuschreiben. Das man da was reininterpretiert, ist ja ganz normal. Muss ja auch und macht ihr ja oben auch ;-) !
    Und übrigens:
    @ Philipp: Wo finde ich eigentlich die mich anquatschen und antatschenden Irren? Etwa immer Werktags auf der Strecke Essen-Düsseldorf :P ???

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